Autokauf, Soweto-Derby und das Ende des Schuljahres

Seit wir hier gelandet sind, hatten Urs und ich eigentlich vor, ein Auto zu kaufen. Dazu haben wir im Internet Inserate gesucht und auch ein paar interessante Angebote gefunden. Zuerst waren wir aber ziemlich davon überrascht, wie teuer hier gebrauchte Autos sind. Für die günstigsten mehr oder minder fahrbaren Gebrauchten muss man hier mindestens 2.000€ hinlegen. Alles was günstiger als das ist hat meistens um die 1 Millionen Kilometer gefahren und das nicht spurlos.

Daraufhin haben wir eben erstmal nach Autos für 2000€ oder mehr gesucht, der Plan war nämlich, den Wagen nachher weiter zu verkaufen.

Aber wie sich herausstellen sollte, waren auch Autos zu diesem Preis nicht ganz, was wir uns vorgestellt hatten. Über Wochen hinweg haben wir uns dann nachmittags via Minibustaxi in der Stadt bewegt und so viel von Johannesburg gesehen.

Dem ersten Wagen hatte vorne eine Lampe gefehlt und der Motor sich nicht richtig angehört. Dieser Wagen war im Nachhinein aber noch der Beste: ein Auto wurde über Nacht vom Verkäufer aufgetunt (mit der Begründung „a sporty car has to look sporty“) und uns mit fast leerem Tank präsentiert. Überrascht von der Frage nach einer Probefahrt hat es uns dann 10 Minuten gekostet, den Wagen, der nicht anspringen wollte, zur Tankstelle am nächsten Block zu manövrieren. Auf die Testfahrt haben wir dann verzichtet. Ein anderes Auto wurde komplett selbst neu lackiert vom Besitzer, aber war natürlich „unfallfrei“.Um den Wagen geradeaus zu halten, musste man das Lenkrad um eine halbe Umdrehung nach rechts drehen und so halten. Danach hatten wir uns mit echten Bush-Mechanics, für Afrika typisch, verabredet, um deren Auto anzusehen. Der hatte aber keinen Starter im Motor, „weil wenn mir jemand am Telefon sagt, dass er kommt, heißt das ja nicht automatisch, dass er kommt“. Bis zum nächsten Tag könnte er den einbauen (weil er ja jetzt weiß, dass wir wirklich kommen), aber weil er uns am Telefon (!) gesagt hatte, der Wagen habe eine Klimaanlage, und der Wagen allerdings keine Klimaanlage hatte und statt dem Radio nur noch ein Bündel Kabel hatte, haben wir dann dankend abgelehnt.

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so sah der Wagen plötzlich aus

Ein weiteres mal waren wir in der Innenstadt, um uns einen weiteren Gebrauchten anzugucken. Der Toyota hatte über 500.000 km (im Internet war die Rede von 200.000) und war total zerbeult. Urs als Mechaniker wollte dann mal einen Blick unter die Motorhaube werfen und bittet den Verkäufer, den Motor zu starten. Der Verkäufer geht daraufhin nur an die Zündung und dreht den Schlüssel um. „Leerlauf“ war ihm anscheinend kein Begriff, worauf der Wagen einen Satz nach vorne macht, Urs aus dem Weg springt und der Toyota in den BMW davor kracht. Den Toyota haben wir dann auch nicht gekauft und stattdessen überlegt, wie wir uns trotzdem hier fortbewegen können.

Letztlich haben wir uns dann für zwei Motorräder entschieden, so hat jeder dann sein eigenes. Für längere Fahrten nehmen wir dann Fernbus, Flugzeug oder Mietwagen.

Das Fahren macht riesig Spaß und so kommt man super hier herum, denn ohne eigenes Fahrzeug ist man hier sehr in den Möglichkeiten begrenzt. Bisher hab ich das Bike jeden Tag bewegt und schon über 1000km gefahren.

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In der Schule habe ich weiterhin richtig viel Spaß. Mit meiner Klasse gehe ich oft Fußball spielen oder nehme oft ein, zwei Schüler mit, wenn ich eine andere Aufgabe habe, weil sie einfach Bewegung, Beschäftigung und eine Menge Aufmerksamkeit brauchen. Wenn ich meine Schüler nach Hilfe bei irgendwas bitte, kommen sie sofort und wollen mir auch bei allem helfen. Dennoch müssen alle, die nicht altersbedingt die Schule wechseln, die Klasse wiederholen.

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12 meiner 21 Schüler

An den letzten Tagen gab es aber überraschende schlechte Nachrichten, die nochmal zeigen, wie kaputt die Schüler schon mit ihren 11-14 Jahren sind.
Einer meiner Schüler hat sich an diesem Tag daheim versucht, sich umzubringen. Er wurde hängend gefunden, konnte aber gerettet werden. Noch im März diesen Jahres hat sein Vater sich vor ihm in den Kopf geschossen und her musste ihn sterben sehen. Danach hat die schwangere Mutter ihr Kind verloren und ihr neuer Freund hat sie und den Jungen geschlagen. Er und seine Mutter ziehen jetzt von hier weg.

Solche Geschichten sind hier leider keine Einzelfälle. Über sehr, sehr viele Schüler habe ich schon die verschiedensten Geschichten gehört. Erstklässler mit dreifach gebrochenen Armen oder Großeltern, die die ca 100 monatlichen Euro staatlicher Zuschüsse für die Aids-Krankheit ihrer Enkel in Alkohol investieren, all das ist hier „normal“. Auch an der Schule selbst zeigt VIDEO0089_0000009458sich, wie die Schüler drauf sind. Baseballschläger werden immer noch mitgebracht und letztens ist ein Schüler mit einem Ziegelstein auf den anderen los. Ich war dabei, als der Junge mit dem Ziegelstein von 4 Lehrern stillgehalten wurde und auf sein Minibus wartete, während die ganze Schülerschaft im Kreis um uns herumstand und wir alle zurückhalten mussten. Am Ende hat es alle anwesenden Lehrer gebraucht, um den Jungen, der nach wie vor sehr entschlossen war, auszuteilen, in das Taxi reinzubekommen.

Da die Situation der Schüler daheim meist so furchtbar ist, versucht die Schule den Schülern viel Spaß zu bereiten. So gab es letztens den „Fun-Day“, wo auf dem riesigen Schulhof Wasserrutschen und dergleichen für einen ganzen Tag aufgebaut wurden.

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Auch mache ich jetzt den „Gardening Club“ an der Schule, wo wir einen Gemüsegarten anlegen. Das ganze ist ähnlich einer AG. Greenpeace hat dafür die Erde gespendet. Das ganze ist eine ziemlich tolle Sache, weil der komplette Garten in den nächsten Wochen umgestaltet wird. Hier haben wir Gemüse und Kräuter gepflanzt und die können jetzt in den Sommerferien wachsen.

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Letzte Woche war eines der größten und bekannten Fußball-Derbys auf der Welt: das Soweto-Derby! Hier spielen die Kaizer Chiefs gegen die Orlando Pirates. Das Spiel war ausverkauft in der riesigen FNB-Arena, die als Finalstadion der WM 2010 noch als Soccer-City bekannt sein könnte. Die Stimmung war riesig, aber freundlich und die Vuvuzelas sind unfassbar laut. Das ganze Spiel lang ist die Stimmung in dem Stadion Wahnsinn.

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Das Spiel ist verdient mit 2:0 für die Kaizer Chiefs ausgegangen. Von dort aus bin ich noch auf eine Hochzeit in Soweto gefahren, was, wie irgendwie immer in Soweto, auf einer House-Party mitten auf der Straße endet: Irgendwer hat immer zwei DJs und eine große Anlage vor der Haustür stehen und dort wird dann bis 8.00 morgens oder länger die komplette Gegend beschallt. Statt sich zu beschweren kommen die Nachbarn einfach auf die Feier.

Nächste Woche beginnt mein großer Urlaub und ich fahre dort nach Swasiland und danach für zwei Wochen zu anderen Freiwilligen nach Kapstadt, wo die viele unserer Freiwilligen an Silvester sein werden.

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Die Ferien

Am vorletzten Freitag haben die Frühlingsferien begonnen. Wir hatten für die Zeit geplant, in den Kruger Park zu fahren und die Panorama Route uns anzusehen.

Direkt nach dem Ferienbeginn haben wir uns aufgemacht. Wir hatten uns zuvor ein Auto gemietet und sind damit dann über Pretoria, wo wir Marina, Nele und Frederic abgeholt haben, nach Hazyview, eine Stadt nahe dem Park, gefahren, was uns ca 5 Stunden gebraucht hat. Hier hatten wir zuvor eine Backpacker-Lodge gebucht. Wir waren total überrascht davon, wie gut die Lodge für 10€ die Nacht ist.IMAG0949

Wenn man den Kruger Park besichtigen will, sollte man früh morgens losfahren, da da die Tiere am aktivsten sind. Also haben wir um 5:30 das naheliegenste Gate passiert und haben direkt schon Elefanten gesehen.

Als Freiwilliger braucht man nur sein Visum vorzulegen und der Eintritt kostet statt 250R (ca 20€), nur 60R (4€).

Wir hatten an dem einen Tag viel Glück mit den Tieren! Wir konnten Impalas und alle anderen Antilopen sehen, Elefanten, Zebras, Löwen, Affen, Krokodile, Giraffen, Wasserbüffel, Nilpferde, und noch viele mehr. Wir sind sogar durch eine Elefantenherde durchgefahren Hier einfach mal ein paar Fotos:IMG_8451 IMG_8526 IMG_8570 IMG_8579 IMG_8592 IMG_8596 IMG_8601 IMG_8632

Nach ca 9 Stunden sind wir dann wieder nach Hazyview, wo wir direkt die Springbocks gegen die All Blacks in der Lodge sehen konnten. Wenn Südafrika gegen Neuseeland Rugby spielt, dann ist sozusagen Nationalfeiertag. Der Chef der Lodge hat sich auch ein paar Freunde dazu eingeladen. Südafrika hat dann noch kurz vor Ende gewonnen und ab da wurde in der Lodge gefeiert.

Am nächsten morgen sind wir dann in die nächste Lodge umgezogen, welche in Graskop lag. Auch waren wir wieder hier sehr positiv von der Lodge überrascht.

Direkt haben wir uns aufgemacht und haben die Panorama-Route in Ruhe angesehen. Auf dieser Route findet man in kürzesten Abständen großartige Natur. Wir haben uns die Wasserfälle und die Aussichtspunkte angesehen, auf welchen man 100km weit blicken konnte. Auch sehr schön war die ehemalige Goldschürferstelle Bourkes Luck Potholes.  Der Canyon hier ist der drittgrößte der Welt.IMAG1059 IMAG1083 IMAG1073 IMAG1055 IMG_8675 IMG_8682

 

Am fünften Tag, dem Dienstag ging es dann wieder zurück. Vier Leute unserer Fünfergruppe waren da aber krank, wir vermuten, weil wir unter einem der Wasserfälle baden waren. Hat aber nicht lange gedauert und es waren alle wieder schnell gesund!

 

25 Jahre Sparrow Schools

Am Freitag hatte die Schule Grund zum Feiern. Die Foundation School, an der ich arbeite, wurde 25 Jahre alt und daher hat sich das Fundraising-Büro ziemlich ins Zeug gelegt. Morgens wurde schon der Braai vorbereitet. Die Lehrer haben dann für alle Boerewors gegrillt, die es später dann für jeden Schüler und Lehrer gab. Bis allerdings das Essen fertig wurde, haben sich alle in der Assembly Hall versammelt, sowas wie eine Aula. Dort wurden dann Reden gehalten (ich musste zwischendrin ein paar meiner Schüler aufwecken) und die Feierlichkeiten abgehalten, so haben die Learners Tänze und Musikstücke aufgeführt, die sie seit längerer Zeit eingeübt hatten.

Anschließend haben die Schüler sogar Geschenke gekriegt, worüber sie sich alle sehr gefreut haben. In den Taschen waren Brotdosen, Notizbücher, Stifte, Mäppchen und Caps. Diese Taschen, 300 an der Zahl, hatte ich die beiden Tage davor mit Mitarbeitern des Head Office zusammengepackt.

 

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Anschließend war dann Wochenende. Kurz nach dem Ende der Schule kam dann auch schon Frederic aus Pretoria an, um uns mal zu Besuchen. Mit ihm, Elsie und Siya, zwei aus Joburg, sind wir dann durch die Stadt gegangen, haben uns dort ein paar Ecken angesehen und anschließend zu uns nach Melville gefahren und haben dann Freddy die 7th gezeigt, eine in Südafrika bekannte Straße mit Clubs, Bars und Cafés. Am Bahnhof zuvor wurde Freddy beklaut: Jemand hat ihn angerempelt, und dann gefragt, warum er nicht „sorry“ gesagt hat. Dann hat Freddy sich entschuldigt und ihm wurde die Hand gereicht. Dabei hat der Dieb ihm schnell mit der anderen Hand das Portemonnaie aus der Hosentasche gezogen. Freddy hat das aber bemerkt und ihn dann gefragt, wo sein Portemonnaie sei, darauf sagt der Dieb „I don’t want to get in trouble“ und gibt ihm das Portemonnaie zurück.

Am nächsten Morgen sind wir dann nach Braamfontein auf den Neigbourgoods Market, von dem ich schon viel gehört hatte. Der Stadtteil Braamfontein grenzt an unseren Stadtteil, Melville, und wird hier auch African New York genannt. Da ist jeden Samstag besagter Markt mit Kunst, vielem Essen und Livemusik. Leider fanden wir dann, dass der Neighbourgoods Market zwar sehr schön ist, aber im Grunde dem Arts on Main, der Sonntags in Newtown stattfindet, sehr ähnlich ist. Dennoch haben wir auch wieder hier richtig gut gegessen!

Danach sind wir dann auf das höchste Gebäude Afrikas, „Top of Africa“, gegangen, wovon man eine großartige Aussicht hatte.

 

 

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Am Samstagabend mussten wir aber daheim bleiben, weil von einer zur anderen Sekunde ein starkes Gewitter aufgezogen ist und ohne Auto die Möglichkeiten ohnehin sehr begrenzt sind. Unsere Decke ist undicht und wir mussten dann Schüsseln unterstellen. In meinem Zimmer kam das Wasser aus der Deckenlampe.

 

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Am Sonntag hatten wir dann Gelegenheit, nach einem Auto zu gucken. Heute, am Mittwoch, war keine Schule und daher konnten wir     ein Auto angucken. Morgen und übermorgen sehen wir uns weitere Autos an und fällen dann bald eine Entscheidung. Es ist auf jeden Fall ein Abenteuer, sich hier ein Auto zu besorgen!

A day in a life of a Sparrow Learner

Heute mal ein ganz kurzer Beitrag. In diesem Video (ca 3min) wird der übliche Tag eines Sparrow Learners verfolgt.
Ashley steht um 4:00 morgens auf, weil er tief in Soweto wohnt. Er ist auf meiner Schule in der Klassenstufe 6. Das Video habe ich heute zum ersten mal mit meiner Klasse gesehen, da habe ich dann zwei meiner Schüler gefragt, wo sie wohnen und auch meine Schüler kommen aus Soweto, sie stehen um 5:00 auf, um zur Schule zu kommen. In dem Video kriegt man einen richtig guten Eindruck von meiner Arbeitsstelle wie ich finde:

Über die Schüler

Gestern morgen war die Lehrerin krank. Hier ist es dann üblich, die Klasse auf andere Klassen aufzuteilen. Die Rektorin hat mir dann gesagt, dass ich zu Ms Michelle in die erste Klasse, die 1 special, gehen sollte. Zuvor kassiere ich noch einen Golfschläger von einem Schüler ein, dann habe ich mich auf den Weg gemacht.

Eine Weile sehe ich dem Unterricht zu, bis Ms Michelle mir während einer Arbeitsphase mehr zu den Kindern erzählt. 

In der Klasse sind zwei Kinder mit Autismus. Ms Michelle lässt mir von ihr die Zweier- und Fünferreihe fehlerfrei aufsagen, die könnte sie bis 200. 1+1 aber kann sie nicht rechnen, da sagt sie 11.

Andere Kinder hier haben Probleme, wie dass sie generell sprechen können, aber nur bestimmte Worte sagen. Das extremste Beispiel ist „Miss Coconut“, wie sie alle nennen, die nur das Wort „Coconut“ sagt. Ein weiteres Mädchen kann ihre Arme und Beine nicht überkreuzen, dh sie fängt an, mit links zu schreiben und schreibt ab der Mitte dann mit rechts weiter. Auch hatten hier manche Kinder alkoholkranke Mütter, die in der Schwangerschaft weitergetrunken haben.

Auf den ersten Blick würde man nicht denken, dass die Schüler hier an all dem leiden, sie wirken an sich total normal.

Dann habe ich gefragt, wie denn die Zukunft der Kinder aussieht. Ms Michelle antwortet mir, dass die Mädchen hier zumeist Prostituierte werden und die meisten der Jungs drogenabhängig. Das führt ziemlich sicher zu einer HIV-Infektion. Drei Kinder in der Klasse sind schon HIV positiv.

In Johannesburg gehen die Arbeitslosenraten bei den unter 20jährigen auf bis zu 70% hoch. An jeden Tankstellen gibt es mehrere Tankwärte und in jedem Supermarkt gibt es Angestellte, die einem die Einkaufstüte einpacken. Trotz dieser simplen Jobs ist der Arbeitsmarkt hier sehr düster. Und daher finden solche sie eben keine Jobs.

Ms Michelle versucht daher, mit den Kindern spaßigen Unterricht zu machen. Viele der Kinder werden daheim geschlagen, falls sie überhaupt noch Eltern haben. Viele hier sind Halb- oder Vollwaisen. Am Montag hatte ich zwei neue Schüler gekriegt und zu jedem der Schüler eine Akte. Eine Standardangabe hier war „Deceased Parent“, verstorbene Elternteile. Bei dem einen war das Kreuz bei „Father“, beim anderen bei „Both“. Einen Schüler in Klasse 1 nennen hier alle „Smiley“, weil er immer am Lachen ist. Smileys Vater ist letzten Samstag gestorben, Smiley merkt man das aber nicht an, er lacht immernoch vor sich hin. Er ist jetzt das dritte Jahr in Folge in der ersten Klasse.

In der zweiten großen Pause war ich dann am Senior Field, wo „meine“ 5 special direkt ankam und mich gefragt hat, ob ich morgen wieder bei Ihnen in der Klasse bin. Sie scheinen sich ziemlich zu freuen, dass ich da bin und nicht nach zwei Wochen die Flucht ergriffen habe. Dieses Jahr gab es schon 4 verschiedene Klassenlehrer in der 5 special, der fünfte tritt in wenigen Wochen an.

Gauteng Carnival und Arts on Main

Nachdem wir Freitagabend von Freunden der ehemaligen Freiwilligen zu einer Uni-Party mitgenommen wurden, hat uns Samstag laute Musik in der Gegend geweckt. Vorher hatten wir auch schon gehört, dass am Samstagmorgen der Gauteng Carnival stattfinden wird, weswegen wir uns sofort auf den Weg gemacht haben. 

Auf den LKWs standen DJs und haben Techno oder House aufgelegt, das hört hier fast jeder aus jeder Altersschicht. Dazu haben die Teilnehmer der Parade auch getanzt, leider reicht das Internet hier nicht aus, um Videos hochzuladen. Aber die Bilder geben glaube ich schon einen guten Eindruck:

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Nach der Parade sind wir dann Richtung Soweto gefahren. Die Fahrt mit dem Minibustaxi war wieder mal ein Erlebnis, weil die ehemaligen Freiwilligen ja schon geflogen sind und wir jetzt auf uns selbst angewiesen waren, aber Dank der hilfsbereiten Leute hier war das gar kein Problem. Der Fahrer des Minibustaxis hat zwar eine Zulu-Englisch-Mischung gesprochen, wovon wir kein einziges Wort verstanden haben, aber letztendlich kamen wir dann an. 

In Soweto, genauer Naledi, dann, haben wir uns erstmal unwohl gefühlt, da die Gegend eben sehr kriminell ist. Das Handy kann man dort, genauso wie in der Innenstadt Johannesburgs, nicht herausholen, weswegen ich davon keine Fotos habe. 

Dann wurden wir aber schnell schon abgeholt von Pertunia, einer Freundin von den ehemaligen Freiwilligen in Soweto. Da sie nun da war, brauchten wir keine Angst mehr zu haben, da sie dort wohnt und man sie kennt. Im Township ist das schonmal grundsätzlich so, da man so eben direkt als Freund aufgenommen wird. Im weiteren Laufe des Abends, in dem wir das Viertel Naledi besser kennengelernt haben, wurden wir immer wieder gefragt, ob man Fotos mit uns machen könne. Die meisten Leute hier scheint es sehr zu freuen, wenn Weiße in die Gegend kommen. Jedoch sollte man stets in Begleitung von Locals sein. 

Am nächsten Morgen hatten wir uns dann mit Marina, einer Mitfreiwilligen aus Pretoria, und einer Freundin von ihr, auch eine Freiwillige einer anderen Organisation aus Joburg, getroffen. Mit ihnen sind wir dann auf den Market on Main gegangen, der jeden Sonntag stattfindet. Hier gibt es Essen ohne Ende und im zweiten Stock eine Kunstausstellung mit selbstgemachter Kunst. Auch wenn der Markt etwas teurer ist, kamen wir mit 100R, 8€, mit Minibustaxi und Bus hin und zurück und konnten dort gut und viel Essen und Trinken.

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Auf dem Rückweg haben wir dann wieder gemerkt, wie lästig es hier ist, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Ich glaube, heute sind Urs und ich mindestens 10 ungeplante Kilometer gelaufen. Ist jetzt eigentlich nicht so schlimm, wenn wir nicht durch besagte Innenstadt hätten gehen müssen. Auch dort hätten wir an einem anderen Tag ohne Handy und Bargeld zurückkommen können. Wir überlegen daher, uns ein Auto anzuschaffen. Bei fast 30°C und keiner einzigen Wolke am Himmel habe ich auch schon den ersten Sonnenbrand. 

Die ersten Arbeitstage

Montag war mein erster Arbeitstag. Die Klasse, in welcher ich arbeite, ist die Klasse 5 Special. Die Kinder in dieser Klasse sind wirklich sehr „special“. 

Es sind insgesamt 19 Schüler in der Klasse, wovon 9 hyperaktiv sind und 6 Analphabeten sind. Die Lehrerin, Andrea, gibt ihr Bestes, allerdings ist die Klasse einzeln nicht zu bändigen. Daher ist sie sehr froh, dass ich da bin. Meine Aufgaben sind ähnlich wie die von der Klassenlehrerin. Bisher überprüfe ich viele Aufgaben, korrigiere Tests und versuche dafür zu sorgen, dass die Schüler sich wenigstens einigermaßen verhalten. Das klappt bisher auch super gut, alle Kinder scheinen mich sehr zu mögen, sie freuen sich immer sehr, wenn sie mich sehen. Das sah am ersten Tag noch anders aus, als einer der Schüler eine Eidechse im Rucksack dabei hatte und ich das Tier in der Pause mit der Lehrerin aus dem Rucksack geholt habe. Das Tier war kurz vor dem Erfrieren, weswegen wir sie an eine Lehrerin gegeben haben, deren Bruder sich mit Reptilien auskennt. Der Schüler war dann ziemlich sauer auf mich, aber das ist schon okay. Obwohl die Klasse so schwierig ist, hören sie auf mich und verhalten sich (verhältnismäßig) respektvoll. Die Kinder nennen mich hier Mister Fabian oder Sir.

 

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Eine weitere Aufgabe von mir ist, den Kindern Lesen und Schreiben beizubringen. Manche Schüler können bereits ganz passabel lesen, denen muss ich nicht viel beibringen, manche aber müssen noch lernen, Buchstaben zu erkennen. Das ganze mache ich ja auch noch auf Englisch – nur 2 der 19 Kinder sprechen Englisch auch zu Hause. Der Großteil spricht Zulu, wir haben aber auch afrikaans-, venda- und seTswanasprachige Kinder in der Klasse. Die Kommunikation ist aber kein Problem, das Englisch der Schüler ist absolut verständlich.

Die Aufgaben, die sie zu lösen haben, überfordern die Klasse grundsätzlich. Daran kann man aufgrund des Lehrplans allerdings nicht ändern. Die Lehrerin versucht bereits, den Plan so weit anzupassen, wie es geht, jedoch ist das meiste einfach unnötig. Heute zum Beispiel haben sie das Ägyptische Zahlensystem gelernt – Unsinn, wenn die Schüler nicht mal Matheaufgaben der dritten Klasse lösen können.

 

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In manchen Stunden bin ich aber auch in anderen Klassen oder muss mich um die Bibliothek kümmern. Bisher hatte ich jetzt zwei von drei Malen früher frei, was super angenehm ist.

Alle Lehrer und Schüler auf der Schule sind sehr nett und grüßen mich immer oder unterhalten sich auch mit mir. Da kriegt man auch den Ruf, den meine Klasse auf der Schule hat, mit. „The 5 Special kids are absolutely crazy“ habe ich glaube ich schon zwei- bis dreimal gehört. Wenn man aber weiß, dass die Klasse etwas neben der Spur ist und man ihnen mehr Freiraum gibt, als man es einer anderen Klasse geben würde, dann hat man keine Probleme mit ihnen.

Braai in Soweto und Apartheid-Museum

Gestern früh um 9 sind wir Richtung Soweto aufgebrochen, um zur Abschiedsfeier der Copessa-Freiwilligen zu gehen. Dieses Projekt befindet sich in Soweto, dem wohl bekanntesten Township, bzw ist es ein Zusammenschluss mehrerer Townships. Mit 3.5 Mio geschätzten Einwohnern ist Soweto (kurz für SOuth WEstern TOwnships) riesig. Hier findet man sowohl die Informal Settlements, also Wellblechhütten, in denen Leute leben, aber auch die Mittelschicht, das kommt darauf an, in welcher Ecke Sowetos man sich befindet. Die Informal Settlements sind auch tatsächlich einfach nur Wellblechhütten, nicht mehr und auch nicht weniger. Die Bewohner müssen ohne Strom und fließend Wasser auskommen. In anderen Ecken findet man wiederum ganz normale Häuser.

Von Melville aus haben wir dann ein Minibustaxi in die Stadt genommen. Minibustaxen sind alte Vans mit 16 Sitzplätzen, die ständig in Johannesburg herumfahren. Möchte man eines nehmen, stellt man sich einfach an eine Straße und wartet, bis ein Minibustaxi vorbeifährt und hupt. Hält man den Zeigefinger nach oben, signalisiert man, dass man in die Stadt fahren möchte, hält man ihn runter, möchte man aus der Stadt fahren. Wenn der Fahrer das gleiche Zeichen gibt, hält er an und man kann einsteigen.

IMAG0365[1]In einer ca 10-minütigen Fahrt kamen wir dann bis in die Minibuszentrale. Das ist eine riesige Halle mit richtig vielen Minibustaxen. Da fragt man sich dann durch, bis man sein Taxi gefunden hat und steigt einfach ein. Ca 20-30 Min später waren wir dann in Soweto. Für die Fahrt von Melville nach Soweto, was ca 30 km waren, haben wir dann insgesamt 23 Rand bezahlt, was umgerechnet etwa 1.50€ sind.

 

Wir hatten mit Ben und Bennet, den beiden Copessa-Freiwilligen ausgemacht, uns an der Mall in Soweto zu treffen. Als wir an einer weiteren Wellblechhüttensiedlung vorbeigefahren sind, waren wir dann auch schon da. Die riesige Mall mit einem KFC und einem McDonalds liegt genau gegenüber. Da es also anscheinend Strom gibt, haben sich früher die Bewohner der „Checks“, den Hütten, ungerecht behandelt gefühlt und in einem von vielen (!) Aufständen mal den KFC niedergebrannt.

In der Mall selber haben wir dann Ben und Bennet getroffen. Mandla, ein guter Freund der beiden, hat uns dann an der Mall abgeholt. Er selber fliegt morgen für ein Jahr nach Deutschland und wird dort in einem Programm ähnlich meinem dort Afrikanische Literatur an einer Schule in Niedersachsen lehren.

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Als wir ankamen, haben wir dann alles zum Braai vorbereitet. Braai nennt man hier Grillen oder Barbecue. Das Braai hat ein paar Regeln, zB ist es ein NoGo, zu essen, wenn zB die Würstchen fertig sind. Man wartet, bis alles gegrillt ist und dann wird gegessen. Am Ende ist dann zwar das meiste kalt, aber es ist am fairsten. Das beschreibt die Mentalität sehr gut, denn in Afrika wird sehr viel Wert auf Fairness gelegt. So wird hier auch grundsätzlich viel geteilt. Wenn jemand zum Beispiel eine Zigarette raucht, wird die Zigarette immer geteilt, auch wenn jeder noch eine volle Packung in der Tasche hat, wir mir später erklärt wurde. Auch bei den Getränken und dem Essen ist das so. Man muss hier gar nicht erst fragen, ob man etwas von dem anderen haben kann, da es hier im Kollektivbesitz ist.

Gegen Abend dann war das Haus und der Garten gut gefüllt und wir hatten ein schönes Braai. Ben und Bennet konntenuns gute Tips auf den Weg geben. Die Leute in Soweto haben sich sehr darüber gefreut, dass Urs und ich da waren und wir konnten direkt eine Menge Leute kennen lernen. Gegen 23 Uhr sind wir dann in einen Club in Soweto gefahren. Das ganze haben wir dann auf afrikanisch gemacht: So viele Leute wie möglich in und auf einen Pickup! Mit 10 Leuten auf der Ladefläche ist dann unser Fahrer in zweiten Gang mit 80 durch die Straßen von Soweto gefahren. Ich fand es dann gar nicht so schade, im Auto drin zu sitzen und nicht auf der Ladefläche.

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Im Club selber waren wir 6 Freiwilligen die einzigen Weißen. Als Weißer in Soweto fällt man sehr schnell auf, da nur Schwarze in Soweto wohnen. Das war ziemlich lustig, jeder wollte uns irgendwie kennen lernen und viele wollten Fotos mit uns machen. Auch Freddy in Atteridgeville erging es so, wie ich am nächsten Morgen hörte.

Am nächsten Morgen dann hatten wir um 9.00 dann die Verabredung mit Melanie, um in das Apartheidmuseum zu fahren. Das hieß für uns, dass wir um 7.00 aufstehen mussten. Zu Glück sind wir so früh losgefahren, weil Minibustaxen erst dann losfahren, wenn sie voll sind. Und um 7.00 wollen Sonntags nicht viele Leute nach Johannesburg. 1 Stunde später sind wir dann auch losgefahren und wir haben es dann noch geschafft.

 

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v.l.n.r.: Urs, Marina, Yannick, Melanie, Eric, Ich, Frederic

Im Apartheid-Museum haben wir dann die anderen Freiwilligen getroffen und uns das Museum angesehen. Given ist wirklich ein sehr guter Museumsführer. Er selbst ist Lehrer und konnte uns die gesamte Apartheid-Geschichte super erklären und aufs wichtigste reduziert uns näherbringen. Anschließend waren wir wieder in Soweto zum MIttagessen. Melanie hat uns extra afrikanisches Essen bestellt.

Morgen um 8.00 geht es dann los und wir haben den ersten Arbeitstag. Ich bin sehr gespannt darauf, was mich erwarten wird!

 

Visiting Sparrow Schools and Melville

Gestern, am Freitag, hat Mathapelo, unsere Volunteer Coordinator, uns auf dem Schulgelände herumgeführt und uns die Schulen der Sparrows gezeigt.

Die Primary und die Foundation School sind direkt gegenüber unserer Unterkunft, die Ausbildungsbetriebe sind ca 3-4km weit weg von hier. Ich werde zur Arbeit nur die Straßenseite wechseln müssen, Urs arbeitet in den Ausbildungsbetrieben.

Die Schulen an sich sind sehr schön und sind besser ausgestattet als meine ehemalige Schule, was wahrscheinlich daran liegt, dass hier größere Firmen die Schule unterstützen. In der Cooking Class hing zum Beispiel ein großes Schild, auf dem eben stand „sponsored by SPAR“. Spar, die Supermarkt-Kette, die man auch aus Deutschland kennt, ist übrigens ein südafrikanischer Konzern.

Mathapelo ist mit uns in verschiedene Klassen gegangen und hat uns auch die Administration gezeigt. Hierzu gehören Sekretärinnen und die Schulleitung, aber auch extra Leute, die am Fundraising arbeiten, also sich eben auch die Sponsoren sichern, als auch jemand, der sich nur um das Social Netwoking der Schule kümmert. Von Klasse eins bis in die Ausbildungsbetriebe wurden wir immer herzlichst begrüßt. In der ersten Klassen haben wir ein Lied vorgetragen bekommen, in der Musikklasse haben wir einen Tanz gezeigt bekommen und in der Mechanikerklasse wurde uns das aktuelle Projekt gut erklärt. Jeder Lehrer hat hier immer einen Witz gebracht und alle kamen echt richtig locker rüber. Jedes mal, wenn wir uns vorgestellt haben, hat sich hier jeder wirklich gefreut. Wenn ich da an die Schulzeit in Deutschland denke und wie man beim Betreten einer Klasse meist abgewunken wird, war das für mich neu. In wirklich jeder einzelnen Klasse und auch beim Rektor wurde sich viel Zeit genommen für uns. Den Namen „Fabian“ kriegt hier jeder ganz gut hin, jedoch wird aus „Urs“ hier eigentlich jedes mal irgendwie sowas wie „Öhs“, „Ühs“ oder „Oas“.

Danach hatten wir Freizeit und Stefanie, eine der beiden aktuellen Freiwilligen, hat mir dann die 7th Street gezeigt, eine überregional bekannte Straße in unserem Viertel, Melville, die 5 Minuten Fußweg von unserer Unterkunft entfernt ist. Auf dieser Straße befinden sich sehr viele Bars, Cafes und Restaurants. Hier haben wir uns in ein Internet-Café gesetzt und meine neue SIM-Karte eingelegt. Diese Karte zu wechseln und durch die endlosen Tarife des Providers zu blicken war wirklich ein Kampf, aber es hat am Ende dann doch geklappt und nun kann ich das Internet nutzen wie daheim.

Gegen Abend dann sind wir einkaufen gegangen. Im Laden waren wir, wie jedes mal, wenn wir irgendetwas kaufen, überrascht, wie günstig hier alles ist. Das Kilogramm Chicken kriegt man hier für 2€. Chicken hat hier aber auch eine Sonderstellung – jeder hier liebt Chicken und es gehört zum Kulturgut. So essen hier viele Vegetarier guten Gewissens Chicken, da das hier einfach Grundnahrungsmittel ist. Auf dem Weg zur Mall sind McDonalds und KFC genau gegenüber. Bei McDonalds war nichts los, während bei KFC der DriveIn mit locker 15 Autos total überfüllt war.

So dunkel ist es hier schon um 17:30.

So dunkel ist es hier schon um 17:00.

Generell ist Fleisch hier auch am günstigsten. Andere Produkte im Supermarkt waren aber auch sehr günstig. Viel haben wir noch nicht eingekauft, da wir noch nicht in das eigentliche Freiwilligenhaus ziehen konnten, da die aktuellen Freiwilligen noch bis Ende kommender Woche dort leben werden. Das ist kein Problem, die „Cottage“, in der wir bis jetzt leben, ist sehr gemütlich, aber auch kalt. Bei -2°C in der Nacht kann das bei ein-facher Verglasung der Fenster und keiner Heizung schonmal ungemütlich werden. Mit genügend Decken ist das aber echt voll in Ordnung.

Bis jetzt sind wir immer essen gegangen, da wir in der Cottage auch nicht kochen können. Essen gehen ist in Südafrika nicht viel teurer als selbst zu kochen. Für 4€ war zum Beispiel das Pizza All You Can Eat am ersten Tag schon ziemlich günstig. Die Kellner bringen einem sogar die Pizzen an den Tisch und machen jede Stunde ein kleines Tänzchen zu lauter Musik (klang wie Helene Fischer auf Englisch).

 

Nach dem Einkaufen sind wir dann nochmal auf die 7th Street gegangen und haben uns das ganze mal von innen angesehen. Erst waren wir essen und dann sind wir durch ein paar Bars gegangen. Heute morgen, am Samstag, mussten wir aber schon früh raus, weil wir jetzt in das Township Soweto fahren und das letzte Wochenende mit den aktuellen Freiwilligen verbringen und eine Abschiedsfeier feiern. Morgen um 7.00 geht es dann zurück. Wir werden dann Given und die anderen Freiwilligen treffen, um uns das Apartheid-Museum anzusehen. Montag ist dann der erste Arbeitstag.

 

Der erste Tag

Gestern morgen um 9 ging die Reise los und über Düsseldorf und London sind wir dann nach Johannesburg geflogen. 

In Düsseldorf habe ich am Flughafen direkt zwei Mitfreiwillige treffen können, die mit mir nach London geflogen sind. Dort in London waren wir drei die ersten, denn weitere Freiwillige kamen auch noch aus Fliegern aus Hamburg und Berlin nach. Da wir die ersten waren, mussten wir leider am längsten warten und hatten so 5 sehr lange Stunden in Heathrow, die nicht umgehen wollten. 

Um 19.00 war es dann aber soweit. Der riesige A380 hat uns dann innerhalb von 11 Stunden einmal quer über die Sahara geflogen, sodass wir um 7.00 Ortszeit in Johannesburg aussteigen konnten. Als wir dann endlich durch die Pass-/Visakontrolle durch waren, standen wir dann erstmal in der Halle des Flughafens und haben vergeblich nach Given gesucht, dem Mentor, der auch schon in der Vorbereitungswoche in Deutschland war. Hier ist uns dann direkt aufgefallen, wie unglaublich nett alle Südafrikaner sind. Als ich nur mein Geld wechseln wollte, hat der Mitarbeiter der Bank 10 Minuten mit mir über meinen Job, die WM und Deutschland geredet und dabei seine Arbeit liegen gelassen. Mit dieser afrikanischen Gelassenheit kam Given dann auch irgendwann und hat die Leute aus Pretoria mitgenommen. Urs und ich mussten allerdings Richtung Johannesburg und wurden dann von Melanie gefahren, die auch eine SAGEnet-Mentorin ist und die Landlady unserer Unterkunft. Sie wohnt auf dem gleichen Grundstück wie wir gegenüber der Einsatzstelle. IMAG0347[1]

Auf dem Weg vom Flughafen zu unserer Unterkunft haben wir direkt einen umfangreichen ersten Eindruck von Johannesburg bekommen. Beinahe alle Häuser haben Zäune und Stacheldraht, unseres einen Elektrozaun. Als wir an Ampeln angehalten haben, wurden unsere Scheiben direkt gewischt und hierfür Geld verlangt, an anderen Ampeln oder Kreuzungen kamen mehrere Leute mit Schildern an, auf denen „No Food, No Clothes, Need Money“ steht. In diesen Vierteln habe ich auch Leute in den Mülleimern wühlen gesehen, die auf der Suche nach Essen waren. Als wir dann unserer Gegend näher kamen, stand die Polizei mit Blaulicht auf der Straße. Im Vorbeifahren haben wir dann gesehen, dass ein VW Golf 3 komplett ausgebrannt ist. Für Melanie ist das Alltag, sie hat nur lachen müssen und hat gesagt, dass sie immer nur VWs brennen sieht und nie andere Autos.

Die Unterkunft hier ist sehr angenehm, auch wenn man keine Heizung hat. Hier ist gerade Winter, da die Jahreszeiten zu denen auf der Nordhalbkugel um ein halbes Jahr verschoben sind. Mit 23°C war es jedoch super angenehm, aber gerade, nach dem Sonnenuntergang (der um halb sechs ist!) wird es aber direkt merklich kälter. Noch sitzen wir hier draußen, allerdings schon dick eingepackt. 

Stefanie und Chris, die aktuellen Freiwilligen, sind noch eine Woche hier. Wir teilen uns die Unterkunft und fahren in einer halben Stunde mit ihnen Pizza essen und nehmen dazu das Minibustaxi.